"Geh, Maria i muß nu aufi auf de Alm, de Viacher füttern."
sag ich zu meiner Frau.
Sie sitzt beim Kachelofen, schaut mich an, fragend "Muaß des nu sein, es wird ja glei finster" steht auf, gibt mir einen Kuss "Wasst eh, der Wolfsmanda....."
"Ah, es wird schon nix passieren, des is ja nur a Rederei" schon geh ich zur Kammer und hol mir den Rucksack mit den Kastanien.
Bei mir, denk ich mir "Es is ja eh nur a Sage, der Wolfsmanda. Vor hunderten von Jahr habms als Wilderer dawischt und daschlagn, soll zwa Meter groß gwesen sein. A wilder Hund, jede Jungfrau soll a bsucht habm. Wen erm aner net passt hat,
hat erm gstellt und bsiegt. Es soll aber unschuldig gwesn sein, nur sie wollten erm weghabn, die junga Burscha und seither soll er sei Unwesen treibn. Bei uns im Salzkammergut, im Saurüsselwald."
Schon hab ich meinen Rucksack geschultert. Maria umarmt mich noch, macht Sie sonst nie. Einen warmen Janker, meine Bergstiefel, den Flachmann, den Hut, alles hab ich dabei.
Schon geht`s hinaus bei der Tür.
Bitterkalt ist`draussen, Reif ist auf den Bäumen. Der Weg führt entlang der Straße.
Nebel fällt vom Berg ein. Alles milchig, trauig.
In den einzelnen Häusern gehen die Lichter an. Man sieht sie nur schemenhaft.
Ich maschiere flott dahin, bald kommt die Dämmerung.
Man sieht schon nur mehr von einer Schneestang bis zur nächsten.
Nun geht`s hinein in den Saurüsselwald. Alles ist weiß leicht angezuckert mit Schnee oder Rauhreif. Der Rest grau.
Zwischen halbholhen Fichten führt der Weg steil den Berg hinauf.
Durch die Bäume wird es schon richtig finster. Ab und zu hört man einen Vogel wegfliegen. Der Schnee knirscht unter den Füßen.
Unheimliche Dunkelheit, ich gehe schneller.
Da hör ich es. Schon öfters hab ich des späten Abend`s gehört.
Ein markerschütternder Schrei. Es ist als würde einem bei seinem Leben die Haut abgezogen. Erschrocken bleib ich stehen, soll ich umdrehen?
Die Schreie werden weniger, es hört auf.
Wahrscheinlich ein jagendes Tier mit seinem Opfer.
Die Tiere brauchen das Futter, ich gehe weiter.
Die Dämmerung ist gekommen, der Nebel noch stärker.
Schemenhaft die Bäume, dämonisch tauchen sie auf aus dem Nebel, links unten liegt der Zwergenwald.
Es geht nun quer durch den Wald, beim Hexenhaus vorbei.
Alt und verfallen, nur ab und zu sieht man ein einzelnes Licht brennen. Es lebt nur eine alte, sehr menschenscheue, vom alter gebeugte Frau im Haus. Daher nennen es die Einheimischen das Hexenhaus.
Heute brennt kein Licht im Haus. Man hört nur das Wasser aus dem Brunnen pätschern.
Beim Haus vorbei durch den Buchenwald. Die Bäume sieht man nur mehr vereinzelt, dicke Buchen, hundert Jahre alt. Die Sträucher schauen aus wie Gestalten, Figuren wie Menschen. Gespenstig.
Es knirscht links und rechts im Gebüsch. Man schaut auf, wahrscheinlich eine Hasenfamilie oder so was. Schneller, immer schneller geht`s den Berg hinauf.
Durch die Schlucht beim Eisfall vorbei, welche total mit Nebel angefüllt ist zum Eissee.
Ich denk mir noch "übern Eissee werd i heut drüberlaufen, is eh schon zugfrorn"
Da kommt mir vor als ob zwischen den Bäumen die man noch sieht, etwas hin und her gehuscht ist. Ich bleib stehen. Steh aber schon in der Schlucht.
Ich schau genauer, kann nichts erkennen, nur den Uhu hört man.
Von hinten hör ich etwas, ich kann nicht erkennen was es ist.
Will schnell weiter in die Schlucht einsteigen.
Schon ist`s passiert. Ich rutsche aus, verlier den Halt, mich rollt`s hinunter in die Schlucht. Da spür ich einen Schlag auf den Kopf.
Ich weiß nicht wie viel Zeit vergangen ist, wahrscheinlich war ich bewußtlos.
Kurz bekomme ich mit, daß ich am Boden mitgeschleift werde. Schemenhaft sehe ich noch, es zieht mich eine große Gestalt. Doch dann bin ich schon wieder geistig weggetreten. Erst später wache ich auf.
Es ist warm, hell um mich. Ich sitze an einer Feuerstelle, mein Kopf und die Augen sind eingebunden. Verkrustetes Blut an den Wangen. Ich muß verletzt sein.
Durch die Binde seh ich nur das Licht der Flammen und einen Schatten...sonst nichts. Der Schatten spricht nicht`s. Er gibt mir nur einen Becher zum Trinken.
Zwetschgenschnaps. So sitze ich da, armselig. Will mir den Verband herunter reißen. Meine Hände sind zusammengebunden, es geht nicht.
Der Schatten rempelt mich an, wahrscheinlich sollte es heißen, geht es wieder.
Schon schnappt mich jemand und trägt mich auf seinen Schultern.
"Des muß a Riese sein" denk ich mir noch.
Er trägt mich, ich weiß nicht wo hin. Es ist schrecklich.
Ich verlier das Bewußtsein.
Als ich die Augen wieder aufschlage, sehe ich meine Frau über mich gebeugt.
Sie hat mir den Verband von den Augen genommen. Sie hat mich schon gesucht,
hat sich Sorgen gemacht, da ich stundenlang nicht aufgetaucht bin.
Ich lieg wie ein Bündel auf der Straße, verschnürt, gelegen. So hat Sie mich gefunden.
Maria ist froh, sie hilft mir und stützt mich zum Haus.
"Was is da passiert, was war los, war`s leicht gar da Wolfsmanda?" fragt Sie.
"Ma hab i ma Sorgn gmacht" Schon sind wir im Haus.
Ich streich Ihr übers Haar und sag zu Ihr "Na, Na, i bin nur gstürzt, es war net der Wolfsmanda, is ja nur a Sage, bin nur gstürzt."und "es geht schon wieda".
Ich denk mir "Hab Glück ghabt, nach da Sage solln all de den Wolfsmanda sehn und überlebn, 50 Jahr imma Glück habn in Ernan Lebn."
Ich bin mir sicher, es war der Wolfsmanda, aber ich wollte niemand erschrecken.
Am übernächsten Tag bin ich mit meiner Frau am hellichten Tag, bei Sonnenschein, rauf zu den Tieren gegangen. Alle Tröge waren voll mit Futter. "War`s da Wolfsmanda?"
G. Weber
Kommentar hinzufügen - Kommentare (2)ansehen



